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Freitag, 28.07.2017

FMI fordert Ausweitung der Schutzverfilmung

(20. März 2009) Lediglich ein kleiner Bruchteil des historischen Bestandes des zerstörten Stadtarchivs in Köln ist als Sicherungskopie auf Mikrofilm erhalten. Der Rest ist wahrscheinlich für immer verloren. Der FMI als zuständiger Branchenverband der Archivierungs-Dienstleister, d.h. der Dokumenten-Management-Unternehmen, fordert jetzt von Kommunen, Bund und Ländern eine Ausweitung der Verfilmung auf weitere historisch wertvolle Dokumentenbereiche.

Der Geschäftsführer des Fachverbandes für Multimediale Informationsverarbeitung (FMI) Rechtsanwalt Achim Carius aus Frankfurt am Main fordert im Namen seines Verbandes vom Deutschen Bundestag die Ausweitung der Sicherungsverfilmung auf weitere kulturhistorische Dokumenten-Bereiche.
In der öffentlichen Diskussion ist zwischen zwei verschiedenen Verfilmungsmaßnahmen zu unterscheiden.

Die Sicherungsverfilmung, die das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe durchführt, erfolgt nach den Vorgaben der Haager Konvention. Hierbei müssen besonders wertvolle Dokumente „von hoher nationaler und kulturhistorischer Bedeutung“ sicherungsverfilmt werden. Dabei steht die Sicherung der Information im Vordergrund. Die Maßnahme finanziert das Bundesinnenministerium aus seinen Haushaltsmitteln, aktuell stehen für 2009 ca. 3 Mio. EUR zur Verfügung. Für die Erhaltung der historischen Informationen einer großen Kulturnation ist dieser Aufwand allerdings zu gering. Der FMI fordert daher vom Deutschen Bundestag eine drastische Aufstockung der Haushaltsmittel für die Sicherungsverfilmung.

Lediglich ein kleines ausgewähltes Spektrum von Archivmaterial ist heute auf Mikrofilm gesichert. So hat die Stadt Köln nur 638 Sicherungsfilme, das entspricht eine Millionen Aufnahmen, erstellen lassen und im ehemaligen Granitbergwerk, dem Oberrieder Stollen bei Freiburg, in Stahlbehälter eingelagert. Der überwiegende Teil der historischen Dokumente in Köln ist nicht auf Mikrofilm erfasst und daher wahrscheinlich für die Nachwelt verloren.

Die Schutzverfilmung hingegen erfolgt durch die Archivbetreiber als freiwillige Maßnahme. Hierbei steht der Schutz des Archivgutes vor Beschädigung und Abnutzung im Vordergrund. Das Original-Dokument verbleibt im Archiv, der Mikrofilm kann vom Nutzer mit Hilfe eines vergrößernden Wiedergabegerätes betrachtet und seine ausgewählten Ansichten ausgedruckt werden. Eine automatische Digitalisierung des Mikrofilms ist ebenfalls möglich.

Der FMI fordert, dass auch diese Schutzverfilmung deutlich auszudehnen ist.
Der Branchenverband FMI fordert, dass die staatlichen Archivverwaltungen jetzt endlich aus dem Kölner Kulturgut-Unglück die richtigen Konsequenzen ziehen. Es reicht nicht aus, lediglich eine kleine Auswahl von historisch bedeutsamen Dokumenten auf Mikrofilm zu sichern. Der Vorteil der Mikrofilmarchivierung ist die lange Lebensdauer von mehreren hundert Jahren. Übrigens, digital gespeicherte Informationen geben diese Garantie bei weitem nicht. Moderne Hochleistungs-Aufnahmesysteme werden von Mitgliedern des Verbandes am Markt angeboten. Die ebenfalls im FMI zusammengeschlossenen Dienstleister verfügen über die speziellen Kenntnisse, die beim Verfilmen von Archivalien erforderlich sind.

In einem weiteren speziellen Fall tickt eine Archiv-Zeitbombe. Die Geburts-, Sterbe- und Eheschließungsregister werden seit 1874 nicht mehr von den Kirchen sondern vom Staat organisiert und verwaltet. Seit Beginn des Jahres 2009 - nach der Änderung des Personenstandsgesetzes - werden ältere Personenstandsregister an die Stadtarchive überführt und eingelagert. Die Wiederholung des Kölner Unglücks an anderer Stelle würde zu einem Totalverlust derartiger Informationen führen. Gerade der immer populärer werdende Bereich der Ahnenforschung würde hierunter leiden. Die Nichtbeachtung dieses Problems betrachtet der FMI als eine grob fahrlässige Inkaufnahme einer historischen Zeitbombe. Der FMI fordert daher eine flächendeckende Sicherungsverfilmung von Geburts-, Sterbe- und Eheschließungsregister in Deutschland.

Freitag, 20.03.2009 15:33 15:33 Alter: 8 Years