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Samstag, 18.11.2017

Branchenverband FMI verurteilt verantwortungslosen Umgang mit Patientenakten

Als eindeutigen Verstoß gegen das baden-württembergische Landesdatenschutzgesetz wertet der Branchenverband der Archivierungs-Unternehmen FMI (Fachverband für Multimediale Informationsverarbeitung e.V.) den lockeren Umgang mit Patientenakten durch einen Münsteraner Scan-Dienstleister. Dieser hatte hoch sensible Patientenakten aus vier Krankenhäusern, u.a. aus dem Klinikum Karlsruhe, nach Leipzig geschafft, um sie am sächsischen Niedriglohnstandort zu digitalisieren. Der Geschäftsführer des FMI, Rechtsanwalt Achim Carius aus Frankfurt/Main, wertet allein schon die Verbringung der vertraulichen Akten aus dem räumlichen Bereich des Klinikums als datenschzutzrechlich höchst bedenklich. "Der verantwortungslose Umgang mit vertraulichen medizinischen Daten von Patienten ist ein Skandal", so Carius. Hier ist der Innenminister des Landes Baden-Württemberg gefordert, dem der Datenschutz im nicht öffentlichen Bereich zugeordnet ist. Das Klinikum Karlsruhe als städtische GmbH unterliegt den selben strengen Datenschutzregeln wie rein staatliche Einrichtungen.

 

Nach Erkenntnissen des FMI sollen die in den alten Leipziger Messehallen eingelagerten Patientenakten unzureichend gesichert gewesen sein. Teilbereiche der Halle seien auch von Dritten genutzt worden, z.B. durch einen Kleiderverkauf. Beide Bereiche seien nicht professionell voneinander getrennt worden. So konnte ein Kunde des Kleiderverkaufs dann auch unbefugt Fotos der Patientenakten anfertigen und diese ins Internet stellen. Die unzureichende Sicherung des äußerst geheimen Archivgutes verstößt auch gegen die Branchen-Qualitätsnorm "FMI-QM", die von den führenden Archivierungs-Dienstleistern befolgt wird. Die Branchennorm verlangt, dass selbst nur vorübergehend eingelagerte geheime Originaldokumente in sicherheitstechnisch fest verschlossenen Räumen, tlw. auch videoüberwacht, aufbewahrt werden müssen. Carius betont, dass die betroffene Firma in Münster nicht dem Branchenverband FMI angehört. Dennoch sei durch den Vorfall ein großer Vertrauensschaden am Markt entstanden. Daher wird sich der FMI in den nächsten Wochen an alle Träger von Krankenhäusern in Deutschland wenden und diese beim Thema Digitalisierung von Patientenakten datenschutzrechlich beraten und sensibilisieren.

Dienstag, 21.10.2008 10:59 10:59 Alter: 9 Years